Mehr Sicherheit durch Überholfahrstreifen und Schutzplanken

Apr 2016

Infrastruktur

Da nicht nur in Deutschland, sondern auch in den meisten anderen Mitgliedsstaaten der EU im Durchschnitt über 60 Prozent der im Straßenverkehr getöteten Menschen auf Landstraßen ihr Leben verlieren, besteht hier auch in anderer Hinsicht noch erhebliches Optimierungspotenzial. So könnten zum Beispiel Unfälle im Zusammenhang mit entgegenkommenden Fahrzeugen auf Landstraßen oftmals durch abschnittsweise Überholverbote in Kombination mit zusätzlichen Überholfahrstreifen vermieden werden. Erfreulicherweise werden nun bei der Planung von Neu- und Ausbauten nach den aktuell gültigen Richtlinien für die Anlage von Landstraßen standardmäßig Überholfahrstreifen vorgesehen, um mehr gesicherte Überholmöglichkeiten auf diesen Strecken zu schaffen. Die Wirksamkeit dieser Maßnahme ist unbestritten und bereits durch die Ergebnisse des Forschungsprogramms „Verbesserung der Verkehrssicherheit auf einbahnig zweistreifigen Außerortsstraßen“ (AOSI) seitens der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) bestätigt worden. Die optimale Lösung wäre freilich – wie in Schweden praktiziert – der wechselseitig dreistreifige Ausbau mit baulicher Trennung der Richtungsfahrbahnen.

Großes Augenmerk muss darüber hinaus auch in Zukunft der Reduzierung von Baumunfällen gewidmet werden. Denn der Anprall an Bäume am Fahrbahnrand ist durch eine hohe Unfallschwere gekennzeichnet. 2014 verloren bei Unfällen auf Landstraßen in Deutschland 555 Menschen ihr Leben durch den Anprall an einen Baum – das sind rund 27 Prozent aller 2.019 auf diesen Straßen getöteten Verkehrsteilnehmer. Trotz einer günstigen Entwicklung in den zurückliegenden Jahren sind „Baumunfälle“ immer noch ein herausragender Schwerpunkt im tödlichen Unfallgeschehen. Da sich jedoch nicht überall hindernisfreie Seitenräume schaffen lassen, sind sowohl im Bestand als auch bei Neuplanungen geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Zum Beispiel durch die Anwendung der „Empfehlungen zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume – ESAB“ und der „Richtlinien für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme – RPS“. Laut BMVI haben darüber hinaus Empfehlungen nationaler Gremien dazu geführt, dass spezielle Schutzeinrichtungen zur Anbringung vor Bäumen geprüft wurden.

Letzteres ist insbesondere auf Landstraßen und hier speziell auch für Motorradfahrer von großer Bedeutung, da sie nach den Insassen von Pkw nahezu in allen EU-Staaten den zweitgrößten Anteil an Getöteten auf Landstraßen ausmachen. Der Ausstattungsgrad von Schutzplanken im Bereich von Kurven sollte dabei durch die Anbringung eines durchgehenden sogenannten Unterzugs erhöht werden. Die Kunststoff-Ummantelung der gefährlichen Pfosten war eine Sofortmaßnahme, die inzwischen durch wirksamere Schutzelemente ersetzt werden kann. So bietet etwa das von DEKRA im Auftrag der BASt entwickelte System „Euskirchen Plus“ dem anprallenden Motorradfahrer einen deutlich besseren Schutz.

Seite teilen