Grundsätzlich positiver Trend muss konsequent fortgeschrieben werden

Jun 2018

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Angesichts der seit Jahren konstant steigenden Fahr- und Transportleistungen im Straßengüterverkehr in der EU und der gleichzeitig sinkenden Zahl an Getöteten und Verletzten vor allem bei Unfällen mit schweren Nutzfahrzeugen wird klar, dass sich die Verkehrssicherheit in diesem Bereich stark erhöht hat. Die sich dennoch immer wieder ereignenden dramatischen Unfälle machen aber deutlich, dass es rund um die Fahrzeugsicherheit, die Infrastruktur und vor allem rund um den Faktor Mensch noch großen Handlungsbedarf gibt.

Eng getakteter Tourenplan, Termindruck, dichter Verkehr, Stress, Übermüdung, schlechte Parkplatzsituation, Ablenkung durch Nachrichten auf dem Smartphone respektive Tablet oder durch die Bedienung des Navigationssystems, eventuell ungünstige Wetter- und Straßenverhältnisse sowie viele weitere Faktoren: Berufskraftfahrer haben in ihrem täglichen Job mit den unterschiedlichsten äußeren Einflüssen zu tun. Dabei sollten sie sich eigentlich auf ihre verantwortungsvolle Fahraufgabe konzentrieren. Ein Moment der Unachtsamkeit oder ein plötzlicher Sekundenschlaf können schließlich schnell verheerende Folgen haben, und zwar für alle Unfallbeteiligten.

Tatsache ist: Der Faktor Mensch spielt auch bei Unfällen mit Güterkraftfahrzeugen die dominierende Rolle. Unfallforscher gehen davon aus, dass europaweit rund 90 Prozent dieser Unfälle auf „menschliches Versagen“ zurückzuführen sind, wobei das Fehlverhalten natürlich nicht nur von den Fahrern der Güterkraftfahrzeuge ausgeht. Auch wenn Güterkraftfahrzeuge bezogen auf die Fahrleistung deutlich seltener an Unfällen mit Personenschaden beteiligt sind, besteht Handlungsbedarf – erst recht vor dem Hintergrund, dass die Folgen für die Unfallgegner von Güterkraftfahrzeugen meist deutlich schwerer sind als für die Insassen dieser Fahrzeuge selbst.

Einen wichtigen Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit können Transportunternehmen und Speditionen allein schon dadurch leisten, dass sie ihre Fahrer und die unter Umständen eingesetzten Subunternehmer noch mehr für Sicherheitsfragen sensibilisieren. Neben einer intelligenten Disposition kommt darüber hinaus, wie im Kapitel Mensch dieses Reports bereits ausführlich dargestellt, der Aus- und Weiterbildung der Berufskraftfahrer große Bedeutung zu. Obendrein tragen auch ein effizientes betriebliches Gesundheitsmanagement sowie regelmäßige Gesundheitschecks ganz entscheidend zur Erhaltung von Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden bei – und damit letztlich zur Minimierung von Unfallrisiken.

Fahrzeugseitig sind die Optimierungspotenziale gleichfalls längst noch nicht ausgeschöpft. Zweifelsohne haben sich ganz besonders auch die schweren Lkw zu Hightech-Fahrzeugen entwickelt. Dabei wurden nicht allein die Strukturen und Sicherheitsausstattungen der Fahrerhäuser und die Fahreigenschaften immer weiter verbessert. Neben den rein mechanischen Maßnahmen des Partnerschutzes im Front-, Heck- und Seitenbereich kommen mehr und mehr moderne elektronische Fahrerassistenzsysteme zum Einsatz, die sowohl die Sicherheit der Lkw-Insassen als auch die der anderen Verkehrsteilnehmer weiter verbessern. Ob Fahrdynamikregelungen wie ESP, Abstandsregeltempomat (ACC), Notbremsassistent, Spurhaltesystem oder Abbiegeassistent: Sie alle helfen, Unfälle zu vermeiden oder deren Folgen abzuschwächen.

Trotz effizienter Assistenzsysteme bleibt eine vorausschauende Fahrweise unerlässlich

Die Ausstattung der Fahrzeuge mit immer mehr Assistenzsystemen ist mit Sicherheit ein sinnvoller Schritt im Hinblick auf die „Vision Zero“ – also einen Straßenverkehr, in dem es bei Unfällen keine Getöteten und Schwerverletzten gibt. Entscheidend kommt es aber darauf an, dass die Fahrzeugführer über die Funktionalitäten der Systeme Bescheid wissen, um nicht Gefahr zu laufen, aus mangelnder Kenntnis unter Umständen das „falsche“ System abzuschalten – etwa den lebensrettenden Notbremsassistenten. Darüber hinaus muss jedem Fahrzeugführer bewusst sein, dass sich die physikalischen Gesetzmäßigkeiten durch Assistenzsysteme nicht außer Kraft setzen lassen – sie erhöhen zum Beispiel weder die Bremsleistung noch können sie den Bremsweg auf nasser oder glatter Fahrbahn verkürzen.

Eine Voraussetzung bei allen elektronischen Systemen ist, dass sie auch über das ganze Fahrzeugleben hinweg zuverlässig funktionieren. Denn nur dann können sie ihre erhoffte Wirkung entfalten. Der periodischen Fahrzeugüberwachung kommt daher in Zukunft eine noch größere Bedeutung zu als heute schon – auch angesichts der zunehmenden Komplexität der Systeme und der Gefahr von elektronischen Manipulationen.

Abschließend darf aber – wie in den DEKRA Verkehrssicherheitsreports der Vorjahre – eine klare Maßgabe nicht vergessen werden: Um gefährliche Situationen im Straßenverkehr möglichst erst gar nicht entstehen zu lassen, sind und bleiben verantwortungsbewusstes Verhalten, die richtige Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und ein hohes Maß an Regelakzeptanz seitens aller Verkehrsteilnehmer unerlässlich. Nachhaltig senken lässt sich das Risiko, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, insbesondere durch eine vorausschauende und defensive Verkehrsteilnahme.

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