In höchstem Maß gefährdet

Apr 2017

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Ob in der Freizeit oder aus beruflichen Gründen: Wer mit dem Motorrad unterwegs ist, geht immer auch ein hohes Unfallrisiko ein. So ist in der EU das fahrleistungsbezogene Risiko, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, für Motorradfahrer 18-mal höher als für andere Verkehrsteilnehmer. Zudem stagniert in vielen EU-Mitgliedstaaten die Zahl der getöteten Motorradfahrer seit Jahren auf vergleichsweise hohem Niveau – durchschnittlich mindestens 20 Prozent aller Verkehrstoten kommen mit dem Motorrad ums Leben.

Wie gravierend die Folgen eines Zusammenpralls zum Beispiel mit einem Pkw als häufigstem Unfallgegner sein können, demonstrierte DEKRA unlängst im Crash Test Center Neumünster im Rahmen einer von Vorträgen der DEKRA Unfallforscher Markus Egelhaaf, Alexander Berg und Luigi Ancona begleiteten Veranstaltung. Simuliert wurde der seitliche Aufprall eines Motorradfahrers mit einer Geschwindigkeit von knapp 60 km/h auf einen stehenden Pkw. Der Dummy prallte dabei in die Mitte der Fahrertür und wurde anschließend in hohem Bogen über das Fahrzeug geschleudert. Etwa acht Meter hinter dem Pkw kam der Dummy zunächst mit dem Kopf und dann mit der rechten Schulter auf der Fahrbahn auf.

„In der Realität hätte ein Motorradfahrer ein solches Szenario – wenn überhaupt – nur mit schweren oder schwersten Verletzungen überlebt“, erläutert Jens König, Leiter Unfallanalytik und Unfallforschung der DEKRA Automobil GmbH. Noch dramatischer seien die Folgen für einen Motorradfahrer allerdings, wenn er unmittelbar mit dem Kopf oder Oberkörper auf der Fahrzeugstruktur aufschlägt. „Diese Gefahr ist vor allem bei höheren Fahrzeugen wie einem SUV oder Van sehr groß“, ergänzt Jens König. Je nachdem, wie heftig der Motorradfahrer in den Pkw eindringt, bestehen freilich auch für dessen Insassen hohe Verletzungsgefahren. Insbesondere Kopf und Oberkörper der Fahrzeuginsassen im Anstoßbereich sind gefährdet.

Sofern der Motorradfahrer rechtzeitig erkennt, dass eine scharfe Bremsung erforderlich ist, trägt ein Antiblockier-Bremssystem (ABS) dazu bei, einen Unfall zu vermeiden beziehungsweise dessen Folgen für alle Beteiligten abzumildern. „Mit der inzwischen verpflichtenden Ausstattung aller neu in Verkehr kommenden Motorräder mit ABS bestehen realistische Chancen, dass eine beträchtliche Zahl an Motorradunfällen mit Toten und Verletzten verhindert werden kann“, gibt Jens König zu bedenken. Das liegt daran, dass die Systeme ein Blockieren der Räder verhindern. Insbesondere bei Vollbremsungen oder bei starkem Verzögern auf rutschigem Untergrund bewirkt dies gerade bei Zweirädern, dass sie wesentlich sicherer zum Stehen kommen und in Grenzbereichen der Fahrphysik besser kontrollierbar sind. Dessen ungeachtet bleiben für Motorradfahrer eine gute Schutzkleidung und Helm sowie eine defensive Fahrweise auch weiterhin ein absolutes Muss.

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