Keine Überlebenschance

Dez 2016

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Verheerende Unfallfolgen bei Baumanprall

Wer diese Bilder gesehen hat, wird sich wünschen, eine solche Situation nie im realen Straßenverkehr erleben zu müssen: Im Crash Test Center Neumünster von DEKRA wird ein Peugeot 406 Kombi mit Hilfe eines Seilzugs auf 98 km/h beschleunigt und dann seitlich gegen einen Pfahl geschleudert. Das Fahrzeug wird förmlich auseinandergerissen, Teile fliegen durch die Luft, im Innenraum bleibt nichts, wie es war. Der Peugeot wird bis zur Unkenntlichkeit zerstört, da sich der künstliche Baum beim Aufprall über die gesamte Breite des Wagens in die Karosserie bohrt. Die seitlichen Airbags lösen zwar aus, hätten aber laut DEKRA kaum Schutz geboten. Kurzum: Bei diesem Szenario hätte keiner der Insassen überlebt.

„Wir wollten mit unserem Versuch aufzeigen, welche immensen Kräfte bei einem Baumanprall wirken und dass für die Insassen eines Pkw je nach Geschwindigkeit eigentlich keine Überlebenschance besteht“, sagt Jens König, Leiter Unfallanalytik und Unfallforschung der DEKRA Automobil GmbH. „Das Risiko, bei einem Baumaufprall getötet zu werden, ist für Insassen von Pkw doppelt so hoch wie bei anderen Hindernissen“, gibt Jens König weiter zu bedenken. Hintergrund: Bei der Kollision mit einem Baum wird die gesamte Aufprallenergie auf eine kleine Fläche am Fahrzeug konzentriert. Prallt das Fahrzeug seitlich oder mit dem Dach an einen Baum, wird die Fahrgastzelle so stark deformiert, dass für die Insassen kaum Überlebenschancen bestehen.

Mit dem von einführenden Vorträgen der DEKRA Unfallforscher Markus Egelhaaf, Alexander Berg und Luigi Ancona begleiteten Crashtest untermauerte DEKRA, was auch die jährlichen Verkehrsunfallstatistiken mit trauriger Konstanz belegen: Der Anprall an Bäume am Fahrbahnrand ist durch eine hohe Unfallschwere gekennzeichnet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verloren 2015 bei Straßenverkehrsunfällen in Deutschland 603 Menschen ihr Leben durch den Anprall an einen Baum – das sind rund 17,4 Prozent aller 3.459 getöteten Verkehrsteilnehmer. Landstraßen bergen dabei das größte Risiko: Hier kamen 2015 in Deutschland 517 Menschen bei einem Baumanprall ums Leben, das sind knapp 26 Prozent aller Getöteten auf Landstraßen. Zum Vergleich: In Frankreich starben 2015 bei Verkehrsunfällen auf Landstraßen 2.175 Menschen, davon 316 bei einem Baumanprall – also knapp 15 Prozent. In Italien scheint das Problem weniger gravierend zu sein: Hier verloren 2015 bei Landstraßenunfällen 1.495 Menschen ihr Leben, davon 127 bei einem Baumanprall – also knapp neun Prozent.

Ein großes Potenzial zur Verringerung der Anzahl und der Folgen von Unfällen mit Anprall an einen Baum neben der Fahrbahn wird heute unter anderem in infrastrukturellen Maßnahmen gesehen. So bieten zum Beispiel Schutzplanken vor allem dann Schutz, wenn sie nach Möglichkeit in einem entsprechenden Abstand zum Baum aufgestellt werden. In diesem Fall kann sich die Schutzplanke verformen und dabei Energie aufnehmen. Durch entsprechende Bauformen können auch Zweiradfahrer effektiv geschützt werden. Darüber hinaus bieten sich Buschwerk und Sträucher als sicherheitstechnisch sinnvolle Variante der Straßenraumgestaltung an. Denn hierbei werden die Fahrzeuge großflächig und relativ sanft aufgehalten. Auf unfallträchtigen Strecken können schließlich auch Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überholverbote zur Verbesserung der Sicherheit beitragen. Kontrollen unterstützen die Einhaltung dieser Vorschriften.

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