Sichere Fahrt für Teens

Aug 2016

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DEKRA veröffentlicht US-Verkehrssicherheitsreport

Pkw-Unfälle sind häufigste Todesursache junger Menschen in den USA

  • Ablenkung beim Fahren erhöht das Unfallrisiko um ein Vielfaches
  • Großer Sicherheitsgewinn durch automatisierte Systeme im Fahrzeug

Nach Angaben der Centers for Disease Control and Prevention kommen in den USA bei Straßenverkehrsunfällen jeden Tag sieben Teens im Alter zwischen 16 und 19 Jahren ums Leben. Bezogen auf die Fahrleistungen ist diese Altersgruppe dreimal so oft in tödliche Straßenverkehrsunfälle verwickelt wie Verkehrsteilnehmer ab 20 Jahren. Die Verkehrssicherheit dieser so stark gefährdeten Altersgruppe muss daher in Zukunft deutlich erhöht werden. Dazu soll auch der erstmals für die USA aufgelegte DEKRA Verkehrssicherheitsreport seinen Beitrag leisten. Der Report widmet sich ausschließlich jungen Autofahrern und zeigt auf, wo die größten Potenziale für die nachhaltige Verringerung der Unfallopferzahlen auf den Straßen liegen und welche Herausforderungen damit für Mensch, Technik und Infrastruktur verbunden sind.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Obwohl jugendliche Autofahrer in den USA nur sechs Prozent aller Führerscheininhaber ausmachen, sind sie zu neun Prozent an tödlichen Unfällen beteiligt. Laut National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) kamen 2014 in den USA 1.717 junge Menschen zwischen 15 und 20 Jahren am Steuer eines Fahrzeugs ums Leben, die Zahl der Verletzten bei Autounfällen wird auf 170.000 geschätzt. Gegenüber dem Jahr 2013 bedeutet dies bei den Getöteten eine Zunahme um rund ein Prozent. Immerhin gibt es auch eine gute Nachricht: Die Zahl der an tödlichen Unfällen beteiligten Teenager ist in den letzten zehn Jahren um 50 Prozent zurückgegangen.

„Dessen ungeachtet bleibt es für alle Beteiligten eine große Herausforderung, die Zahl der getöteten und verletzten Teens am Steuer eines Fahrzeugs zu reduzieren“, betonte Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands DEKRA SE und verantwortlich für die Business Unit Automotive, anlässlich der Veröffentlichung des ersten DEKRA Verkehrssicherheitsreports für die USA, der ausschließlich dieser gefährdeten Altersgruppe gewidmet ist. „Als Expertenorganisation, die sich seit vielen Jahren auch in den USA für mehr Verkehrssicherheit engagiert, ist es uns ein großes Anliegen, einen Beitrag dazu zu leisten, dass immer weniger Teenager auf den Straßen verunglücken“, ergänzte Donald O. Nicholson, Präsident und CEO DEKRA North America.

Auf dem Weg zur „Vision Zero“

Wie der Report aufzeigt, ist menschliches Versagen auch bei jugendlichen Autofahrern eine der Hauptursachen von Crashs mit Personen- und/oder Sachschaden. Nicht ohne Grund setzt daher die Automobilindustrie schon seit Jahren verstärkt auf Fahrerassistenzsysteme wie zum Beispiel Notbremssystem, Abstandsregelung, Spurhalteunterstützung oder Müdigkeitswarner. Allesamt Systeme, die in der Lage sind, kritische Fahr- und Verkehrssituationen frühzeitig zu erkennen, vor Gefahren zu warnen und im Bedarfsfall auch aktiv in das Geschehen einzugreifen. Solche Systeme werden mittlerweile auch in Volumenmodellen der Klein- und Mittelklasse serienmäßig oder gegen einen vergleichsweise geringen Aufpreis angeboten. Beim Fahrzeugkauf sollten die Eltern jugendlicher Autofahrer deshalb nach Möglichkeit darauf achten, dass derartige Systeme verbaut sind. Ziel muss es laut DEKRA auch sein, für jedes sicherheitsrelevante System die zuverlässige Funktion über die gesamte Nutzungsdauer des Fahrzeugs zu gewährleisten. Wartung und Service dürfen also nicht vernachlässigt werden. Einen entscheidenden Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit kann hier außerdem die periodische Fahrzeugüberwachung leisten.

Neben der Fahrzeugtechnik kommt im Hinblick auf die Verkehrssicherheit von Teens unter anderem auch der grundlegenden Fahrausbildung eine zentrale Rolle zu. Dasselbe gilt für die Infrastruktur und den Straßenbau, die Gesetzgebung und die Verkehrsüberwachung, das Rettungswesen, die Verkehrserziehung und weitere Maßnahmen im Bereich der Prävention. Darüber hinaus empfiehlt DEKRA in den USA auf lokaler, bundesstaatlicher und Bundesebene die Umsetzung der Sicherheitsinitiative „Vision Zero“. Deren Ziele: keine durch Unfälle getöteten oder schwer verletzten Verkehrsteilnehmer. Auf US-Bundesebene hat die NHTSA bereits Programme entwickelt, deren Schwerpunkte auf den sogenannten „4 E“ der Verkehrssicherheit liegt: Engineering (Ingenieurtechnik), Education (Ausbildung), Enforcement (Durchsetzung von Verkehrsregeln) und Emergency Medical Services (Rettungswesen). Die „Vision Zero“ geht noch einen Schritt weiter und fügt die Begriffe „Evaluation“ (Bewertung von Maßnahmen) und „Equity“ (Chancengleichheit) hinzu. Gleichzeitig verfolgt sie einen systemweiten, datengestützten Ansatz, um besonders unfallträchtige Straßen sicherer zu machen.

DEKRA Forderungen für mehr Verkehrssicherheit von Teens

  • In der Fahrausbildung müssen die Kompetenzen in Sachen vorausschauender Verkehrsbeobachtung und Gefahrenvermeidung gezielt vermittelt werden.
  • Eltern sollten jugendlichen Fahrern in Bezug auf das sicherheitsbewusste und verantwortungsvolle Verhalten im Straßenverkehr ein Vorbild sein und ein solches Verhalten auch nachhaltig fördern.
  • Neben einer hohen Regelakzeptanz ist es erforderlich, sich über Neuerungen bei den Verkehrsregeln zu informieren und seine Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen.
  • Die Aufklärungsarbeit über die große Unfallgefahr, die mit Ablenkung etwa durch Smartphones verbunden ist, muss in Form öffentlichkeitswirksamer Kampagnen verstärkt werden.
  • Der Sicherheitsgurt als Lebensretter Nummer 1 muss jederzeit auf allen Sitzen angelegt werden.
  • Die Fahrzeuge müssen in einem einwandfreien technischen Zustand sein.
  • Die Funktionsfähigkeit mechanischer und elektronischer Komponenten von Systemen der Fahrzeugsicherheit muss über das gesamte Fahrzeugleben hinweg gewährleistet sein und zu diesem Zweck regelmäßig in einer professionellen Werkstatt überprüft werden.
  • An potenziellen Gefahrenstellen sind von der Polizei noch effizientere Kontrollen durchzuführen, um Verkehrssünder (Alkohol oder Drogen am Steuer, zu hohe Geschwindigkeit, zu geringer Sicherheitsabstand etc.) festzustellen und gegebenenfalls aus dem Verkehr zu ziehen.
  • Beim Straßenneu- oder -umbau ist eine präventive und interdisziplinäre Herangehensweise unabdingbar, um Unfallschwerpunkte gar nicht erst entstehen zu lassen.
  • Der Straßenverlauf muss jederzeit voraussehbar und erkennbar sein. Zu diesem Zweck ist die regelmäßige Pflege beziehungsweise Erneuerung der Fahrbahnmarkierung unerlässlich.

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