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Dez 2016

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Wissensaustausch kann Leben retten

Die technologischen Möglichkeiten durch modernste Sensortechnik für automatisierte Fahrfunktionen wie zum Beispiel autonome Notbremssysteme wachsen rasant. AEBS (Autonomous Emergency Braking Systems) erhöhen schon heute das Sicherheitspotenzial aktueller Fahrzeuge und werden in Zukunft ein wichtiger Baustein des autonomen Fahrens sein. Hintergrund: Zahlreiche Verkehrsunfälle sind auf verspätetes Bremsen oder zu dichtes Auffahren, auf schlechte Sicht oder geblendete Fahrer, auf Müdigkeit oder Ablenkung des Fahrers zurückzuführen. AEBS können solche Unfälle entweder ganz verhindern oder die Unfallfolgen zumindest deutlich abmildern, indem sie den Fahrer warnen und im Ernstfall einen Bremsvorgang automatisiert einleiten.

„Im Hinblick auf das Fernziel der ‚Vision Zero‘, also keinen Toten bei Straßenverkehrsunfällen, sind derartige Systeme als Elemente der aktiven Sicherheit unverzichtbar und sollten noch eine deutlich höhere Marktdurchdringung erreichen“, betont Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands DEKRA SE und verantwortlich für die Business Unit Automotive.

Verbraucherschutzorganisationen rund um die Welt haben die AEBS längst in ihre Bewertungskriterien einbezogen und werden deren Anteil an der Fahrzeugbewertung in den nächsten Jahren noch deutlich ausbauen. Unabhängig von diesen Einzeltests unter Laborbedingungen müssen die Systeme jedoch vor allem auch im täglichen Einsatz robust funktionieren, ohne dass durch Fehlwarnungen beziehungsweise fehlerhaftes Auslösen oder durch die Unterlassung einer Bremsung im Notfall die Kundenakzeptanz sinkt.

Um den Spagat zwischen einer robusten Auslegung beziehungsweise Absicherung und der unendlichen Anzahl von Szenarien im Feld hinzubekommen, ist der regelmäßige Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den Automobilherstellern, Zulieferern, Anbietern von Testequipment und Anlagen sowie den Repräsentanten von Gesetzgebung und Verbraucherschutz notwendig.

Zu diesem Zweck hatte die carhs GmbH, ein Anbieter von Seminaren und Konferenzen für Ingenieure in der Automobilentwicklung, zusammen mit DEKRA zur Praxiskonferenz ins DEKRA Automobil Test Center im brandenburgischen Klettwitz geladen. Dort konnten die Teilnehmer verschiedene Experten auf dem Gebiet der sicherheitsrelevanten Fahrerassistenzsysteme treffen und dabei Erfahrungen austauschen. Ein zentraler Bestandteil der Konferenz waren außerdem Praxisvorführungen – so zum Beispiel Prüfungen an Fahrzeugen mit Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung an der DEKRA E-Liner Bridge.

Besagte Anlage hat die Form einer Brücke, an der sich unterschiedliche Dummys befestigen lassen, um sich bewegende Fußgänger zu simulieren. Ein um 180 Grad drehbarer Brückenarm ermöglicht die unterschiedlichsten Anprallkonfigurationen. Damit die getesteten Fahrzeuge unbeschädigt bleiben, wird der Dummy Sekundenbruchteile vor der Kollision aus der Gefahrenzone katapultiert. Mit der Anlage lassen sich auch entwicklungsbegleitend Fußgängerschutzsysteme testen. Der Prüfstand wurde so konzipiert, dass er exakt auf die vom Arbeitskreis „vFSS – vorausschauende Frontschutzsysteme“ aufgestellten Anforderungen für Tests im Hinblick auf Fahrzeugzulassung, Verbraucherschutz oder Versicherungseinstufung zugeschnitten ist.

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