Positiver Trend – aber noch lange keine Entwarnung

Mai 2019

News & Aktionen

Tödliche oder mit schweren Verletzungen einhergehende Verkehrsunfälle mit Kindern sind immer wieder aufs Neue erschütternd. Familien leiden darunter ebenso wie die Unfallgegner. Bei Kindern unter 15 Jahren sind dies zu einem Großteil Fahrerinnen und Fahrer von Pkw. In den letzten Jahren hat sich zwar vieles zum Positiven hin entwickelt. Dessen ungeachtet bleibt insbesondere in den Bereichen Mensch, Fahrzeugtechnik und Infrastruktur noch viel zu tun, um die Verkehrssicherheit dieser Altersgruppe nachhaltig zu erhöhen.

Verkehrsunfall

Der Trend der letzten Jahre ist eindeutig: Auf den Straßen Europas wie auch in anderen Teilen der Welt kommen bei Verkehrsunfällen erfreulicherweise immer weniger Kinder unter 15 Jahren ums Leben. Waren 2005 in der EU in dieser Altersgruppe noch 1.325 Unfallopfer zu beklagen, verunglückten 2017 „nur“ noch 593 Kinder im Straßenverkehr tödlich. Das ist ein Rückgang um 55 Prozent. Nicht ganz so stark fiel der Rückgang in den USA aus. Die Zahlen für 2017 liegen noch nicht vor, aber zumindest von 2005 bis 2016 sank die Zahl der bei Verkehrsunfällen getöteten Kinder um 37 Prozent von 1.955 auf 1.233. Doch zur Entwarnung besteht überhaupt kein Grund, zumal beispielsweise in Deutschland nach den vorläufigen Unfallzahlen für 2018 wieder mehr Todesopfer zu beklagen waren. Darüber hinaus untermauern die im vorliegenden Report präsentierten Zahlen aus Afrika und Asien, dass die Verantwortlichen insbesondere auch hier vor immensen Herausforderungen stehen. Handlungsfelder für eine nachhaltige Verbesserung gibt es zur Genüge.

Zu den wichtigsten Aufgaben zählt hierbei die Verkehrserziehung, die idealerweise schon im Vorschulalter beginnt. Denn entwicklungsbedingt sind Kinder oft nicht in der Lage, in Gefahrensituationen die richtige Entscheidung zu treffen. Durch entsprechende Aufklärung über die Risiken im Straßenverkehr sollte bei Kindern daher so früh wie möglich ein Sicherheitsbewusstsein geschaffen werden. Zusätzlich sind aber auch alle anderen Verkehrsteilnehmer für die besonderen Verhaltensweisen von Kindern im Straßenverkehr verstärkt zu sensibilisieren. Vor allem erwachsene Verkehrsteilnehmer und hier insbesondere die Eltern sollten außerdem stets mit gutem Beispiel vorangehen und sich ihrer Vorbildrolle bewusst sein – etwa was das Tragen eines Fahrradhelms oder das Verhalten bei der Überquerung einer Straße anbelangt. Tatsache ist: Kinder ahmen oftmals nach, was sie bei den „Großen“ sehen. Und das kann leider im Ernstfall tödlich enden.

Neben der Verkehrserziehung ist es darüber hinaus wichtig, in der Umgebung von Kindergärten und Schulen für eine sichere Straßenverkehrsinfrastruktur zu sorgen. Zum Beispiel in Form von Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung – unter anderem auch deswegen, weil die Kollisionsgeschwindigkeit von gravierender Auswirkung auf die Verletzungsschwere ist. Was die Umgebung von Kindergärten und Schulen anbelangt, darf das Thema „Elterntaxi“ nicht vergessen werden. Es ist zweifelsohne gut gemeint, den Nachwuchs quasi bis vor die Türe mit dem eigenen Auto zu fahren. Das „Elterntaxi“ trägt aber nicht dazu bei, das selbstständige und sichere Verhalten von Kindern im Straßenverkehr zu fördern. Gleichzeitig führt das morgendliche Verkehrschaos im Umfeld von Kindergarten und Schule nicht selten zu risikoreichen Situationen.

Ergänzend zu einer möglichst h hohen Infrastrukturqualität mit intakten und ausreichend beleuchteten Straßen, Geschwindigkeitsüberwachungen an Gefahrenstellen, entsprechenden Beschilderungen im Umfeld von Kindergärten und Schulen sowie vielen weiteren Maßnahmen können speziell Kinder im Straßenverkehr auch selbst zu ihrer eigenen Sicherheit beitragen. Zum Beispiel dadurch, dass sie kontrastreiche Kleidung mit retroreflektierenden Elementen tragen und ihre Fahrräder über funktionsfähige lichttechnische Einrichtungen verfügen. Damit sind Kinder für Autofahrer besser zu erkennen – vor allem in der Dämmerung, bei Dunkelheit oder schummrigem Herbstlicht.

Eine häufige Unfallursache, das hat DEKRA schon in seinen früheren Verkehrssicherheitsreports mehrfach aufgezeigt, sind Fehler des Menschen im Straßenverkehr – darunter zum Beispiel Ablenkung. Egal ob nur mal kurz das Navigationsgerät bedient, die Lautstärke des Radios verändert oder die Temperatur der Klimaanlage justiert: Bereits wenige Sekunden genügen, um schon im niedrigen Geschwindigkeitsbereich mehrere Meter im Blindflug zurückzulegen. Ein großes Nutzenpotenzial weisen in solchen Situationen unter anderem automatische Notbrems-Assistenzsysteme mit Radfahrer- und Fußgängererkennung auf. Selbiges gilt für die Fälle, in denen sich Kinder unvorsichtig im Straßenverkehr bewegen und beispielsweise plötzlich auf die Straße rennen oder sich durch sonstiges Fehlverhalten in Gefahr bringen.

Wie in den DEKRA Verkehrssicherheitsreports der Vorjahre darf aber eine klare Maßgabe nicht vergessen werden: Um gefährliche Situationen im Straßenverkehr möglichst erst gar nicht entstehen zu lassen, sind und bleiben verantwortungsbewusstes Verhalten, die richtige Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und ein hohes Maß an Regelakzeptanz seitens aller Verkehrsteilnehmer unerlässlich. Denn nach wie vor ist insbesondere der Mensch am Steuer derjenige, der auf das Entstehen eines Unfalls den größten Einfluss hat. Daran können auch die beste Fahrzeugtechnik und eine optimal ausgebaute Straßenverkehrsinfrastruktur nichts ändern.

Die DEKRA Forderungen

  • Kinder sollten in (bzw. auf) allen Fahrzeugen (Pkw, Fahrrad, Motorrad) nur auf den dafür vorgesehenen Plätzen mitfahren.

  • Kinder müssen auf jeder Fahrt mit geeigneten alters- beziehungsweise größengerechten Rückhaltesystemen (Kindersitz, Babyschale) gesichert werden. Das gilt auch für Kurzstrecken und natürlich auch bei der allerersten Autofahrt zum Beispiel von der Geburtseinrichtung nach Hause.

  • Fahrrad fahrende Kinder sollten, so wie in einigen Ländern vorgeschrieben, unbedingt immer einen Helm tragen. Eltern müssen in diesem Punkt unbedingt ein Vorbild sein.

  • Fahrräder, auch die von Kindern, müssen – wie beispielsweise in Deutschland vorgeschrieben – mit funktionsfähigen aktiven und passiven lichttechnischen Einrichtungen ausgestattet sein, damit Rad fahrende Kinder zu jeder Tageszeit gut sichtbar sind.

  • Regelakzeptanz – insbesondere in Sachen Geschwindigkeit, an Ampeln und im Verhalten gegenüber Fußgängern und Radfahrern – muss durch intensive Aufklärungsarbeit gefördert werden.

  • Eltern müssen ihren Kindern ermöglichen, alters- und entwicklungsgerecht ihre eigenen Erfahrungen im Straßenverkehr zu sammeln und entsprechende Kompetenzen zu erwerben.

  • Das „Elterntaxi“ muss, wenn es sich nicht vermeiden lässt, zumindest so organisiert werden, dass niemand im schulischen Umfeld gefährdet wird.

  • Einmündungs- und Kreuzungsbereiche sowie Überwege müssen von Sichtbehinderungen etwa durch parkende Fahrzeuge, Schilder, Verkehrsinfrastruktur oder Stadtmöblierung freigehalten werden, denn sie bergen ein großes Unfallrisiko.

  • Schulwege sowie Bereiche um Schulen, Kindergärten und Spielplätze sollten grundsätzlich durch Geschwindigkeitsbegrenzungen von maximal 30 km/h sicherer gemacht werden.

  • Kinder müssen das richtige Verhalten im Bus und an den Bushaltestellen erlernen.

  • Die sorgfältige Instandhaltung und die Pflege von Radwegen sind für einen sicheren Fahrradverkehr unerlässlich.

  • Verkehrserziehung vom Kindergarten- bis ins Jugendlichen-Alter ist für eine sichere Teilnahme von Kindern und Jugendlichen am Straßenverkehr unerlässlich.

  • Jeder Erwachsene muss sich bewusst sein, dass er eine Vorbildrolle für Kinder hat. Egal, ob Kinder zu sehen sind oder nicht, beziehungsweise wenn sie mit „an Bord“ sind: Im Straßenverkehr sollte man sich immer so verhalten, dass Kinder das Verhalten adaptieren können, ohne dass sie dadurch in gefährliche Situationen kommen.

Seite teilen