Lkw-Assistenzsysteme retten Leben

Sep 2018

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Fahrversuche im DEKRA Technology Center am Lausitzring zeigen erneut den potenziellen Nutzen von Assistenzsystemen im Lkw

Immer wieder werden die DEKRA Unfallsachverständigen zu schweren Auffahrunfällen mit Nutzfahrzeugen gerufen – insbesondere auch am Stauende auf der Autobahn. „Die Masse, die ein beladener Lkw mit sich bringt, führt hier naturgemäß zu besonders schweren Unfallfolgen“, sagte DEKRA Vorstand Clemens Klinke im Rahmen der IAA Nutzfahrzeuge 2018 in Hannover. „Solche Unfälle können moderne Notbremsassistenzsysteme in vielen Fällen vermeiden oder zumindest die Unfallschwere deutlich verringern.“ Der Notbremsassistent warnt den Fahrer zunächst rechtzeitig vor der drohenden Kollision mit einem per Radar und/oder Kamera erfassten Hindernis. Wenn der Fahrer nicht reagiert, leitet das System selbsttätig eine Bremsung ein.

Notbremsassistenten sind seit 2015 für die meisten neu zugelassenen Serien-Lkw über acht Tonnen vorgeschrieben, und im November 2018 tritt die Ausrüstungspflicht für neu zugelassene serienmäßige Nutzfahrzeuge über 3,5 Tonnen in Kraft. Die Vorschrift verlangt von den Systemen allerdings nur eine bestimmte Verringerung der Geschwindigkeit – zum Beispiel bei pneumatischen Bremsanlagen auf ein stehendes Hindernis eine Reduktion um 20 km/h. Viele der heute verfügbaren Systeme leisten allerdings deutlich mehr als diese Vorgabe. „Die Fahrzeuge kommen je nach Ausgangsgeschwindigkeit in den meisten Fällen selbst vor einem stehenden Hindernis komplett zum Stillstand und vermeiden die Kollision. Das haben unsere Versuchsfahrten auf unserem Testgelände am Lausitzring mit verschiedenen Lkw-Fabrikaten gezeigt“, erklärt DEKRA Vorstand Klinke. „In den anderen Fällen bauen die Systeme durch die automatische Gefahrenbremsung den allergrößten Teil der Bewegungsenergie ab, so dass eine Kollision am Ende wesentlich geringere Auswirkungen hat.“

Damit die verfügbaren Notbremsassistenten ihr Sicherheitspotenzial noch stärker ausspielen können, müssen sie in der Flotte möglichst weit verbreitet sein. „Wir rufen deshalb die Transportbranche dazu auf, ihre Fahrzeuge mit den besten verfügbaren Notbremssystemen auszurüsten und sich nicht auf die gesetzlichen Mindestanforderungen zu beschränken“, so Clemens Klinke. Manche Hersteller bieten serienmäßig Systeme an, die den vorgegebenen Mindeststandard leisten, während die neuesten und leistungsfähigsten Notbremssysteme als Sonderausstattung verfügbar sind. „Wir appellieren deshalb auch an die Nutzfahrzeughersteller, die Sicherheitssysteme der jeweils neuesten Generation als Serienausstattung zu verbauen. Außerdem setzen wir darauf, dass die Entwicklungsarbeit weitergeht, um die Systeme noch weiter zu verbessern.“

Entscheidend für die Wirkung von Notbremsassistenten ist aber auch, dass sie während der Fahrt nicht abgeschaltet werden und dass die Fahrer über die Funktionalitäten ihres Notbremssystems genau Bescheid wissen. „Manche schalten wohl irrtümlich ihren Notbremsassistenten ab, weil ihnen der Abstandsregeltempomat ACC während der Fahrt auf die Nerven geht“, gibt der DEKRA Vorstand zu bedenken. Es sei im Fall der Fälle natürlich verheerend, wenn ein Unfall passiere, den der eingeschaltete Notbremsassistent hätte verhindern können.

Dessen ungeachtet dürfen sich Lkw-Fahrer nach Ansicht des DEKRA Experten nicht blind auf ihr Notbremssystem verlassen. „Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre, dass Fahrer denken: ‚Ich kann mich am Steuer ruhig ablenken lassen und mit anderen Dingen beschäftigen, im Ernstfall rettet mich ja der Notbremsassistent‘“, meint Klinke. „Assistenzsysteme sollen dem Fahrer helfen, wenn er einen Fehler macht – nicht mehr und nicht weniger.“

Das gilt nicht zuletzt auch für den Abbiegeassistenten. Die Unfälle, bei denen ein abbiegender Lkw-Fahrer einen Radfahrer oder Fußgänger im toten Winkel nicht sehen kann und deshalb erfasst, sind zwar verhältnismäßig selten. Allerdings haben diese Unfälle fast immer besonders schlimme Folgen. Aktuell bietet ein Lkw-Hersteller einen Abbiegeassistenten ab Werk an, andere sind in der Entwicklung. Außerdem sind verschiedene Nachrüstlösungen verfügbar. Sie alle überwachen den toten Winkel neben dem Lkw, den der Fahrer weder direkt noch über Spiegel einsehen kann, mit Radarsensoren beziehungsweise Kameras und warnen den Fahrer, wenn sich dort jemand aufhält.

Trotz seines Sicherheitspotenzials kann der Abbiegeassistent das Problem der Abbiegeunfälle aber nicht allein lösen. Als wichtigen Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit bewertet DEKRA in diesem Zusammenhang unter anderem auch mitblinkende Seitenmarkierungsleuchten. Sie helfen dem Radfahrer oder Fußgänger, der sich neben dem Lkw befindet, zu erkennen, dass dieser abbiegen will. Wichtig ist aus Sicht von DEKRA schließlich auch die Aufklärung von Radfahrern und Fußgängern über die Gefahren des toten Winkels – etwa in Form auffälliger Aufkleber am Heck des Lkw oder durch Aufklärungsarbeit an Schulen.

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