Mehr Motorrad-Sicherheit mit ABS

Nov 2020

Fahrzeugtechnik

Bereits seit dem Jahr 2017 darf europaweit kein Motorrad ohne Antiblockiersystem (ABS) mehr neu zugelassen werden. Die Bosch Unfallforschung geht nach der Analyse von Unfalldatenbanken aus Deutschland und Indien (German In-Depth Accident Study GIDAS 2001 bis 2004 und Road Accident Sampling System RASSI 2009 bis 2013) davon aus, dass durch dieses System etwa ein Viertel aller relevanten Motorradunfälle mit Verletzten und Toten verhindert werden kann.

Motorrad-Stabilitätskontrolle MSC ist eine Art ESP für Motorräder
Die Motorrad-Stabilitätskontrolle MSC ist eine Art ESP für Motorräder. Das System erkennt unter anderem die Schräglage eines Zweirads und passt die elektronischen Regeleingriffe beim Bremsen und Gasgeben blitzschnell der momentanen Fahrsituation an.

Das liegt daran, dass die Systeme ein Blockieren der Räder verhindern. Vor allem bei Vollbremsungen oder bei starkem Verzögern auf rutschigem Untergrund bewirkt dies gerade bei Zweirädern, dass sie wesentlich sicherer zum Stehen kommen und in Grenzbereichen der Fahrphysik besser kontrollierbar bleiben. Des Weiteren wird das gefährliche und in aller Regel zum Sturz führende Blockieren des Vorderrads verhindert. Die Motorradfahrer können so mit maximaler Kraft die Bremse betätigen.

PS: Seit 2018 gibt es auch Pedelecs mit ABSSystem. Dabei kombiniert zum Beispiel das Bosch eBike ABS, das von DEKRA mit dem DEKRA Award 2019 in der Kategorie „Sicherheit im Verkehr“ ausgezeichnet wurde, das Vorderrad-ABS mit einer Hinterrad-Abheberegelung und sorgt so für mehr Sicherheit. Bei schwierigen Bremsmanövern regelt es den Bremsdruck und optimiert so die Fahrstabilität und Lenkbarkeit des E-Bikes. Das verringert die Wahrscheinlichkeit, dass das Vorderrad blockiert und wegrutscht oder das Hinterrad abhebt. Das Risiko von Überschlägen und Stürzen lässt sich so reduzieren.

Inzwischen gibt es technische Weiterentwicklungen der ABS-Technik für Motorräder in Richtung einer elektronischen Stabilitätskontrolle, die im Bereich der Mehrspurfahrzeuge schon länger als ESP bekannt und dort inzwischen weit verbreitet ist. Eine solche Motorrad-Stabilitätskontrolle, als MSC zuerst von der Firma Bosch vorgestellt, bringt einen weiteren Sicherheitsgewinn mit sich. Denn das System, das die ABS-Daten nutzt und zusätzlich von einem Schräglagensensor unterstützt wird, greift genau dort ein, wo es auf zwei Rädern am gefährlichsten ist: in Kurven. Dort ereignet sich heute noch fast jeder zweite tödliche Motorradunfall.

Laut Bosch bietet MSC einen bestmöglichen Schutz beim Beschleunigen und Bremsen auch bei schneller Kurvenfahrt. Die Eingriffe des Bremssystems werden exakt auf die Schräglage abgestimmt und der Bremsdruck sanft, aber dennoch schnell zunehmend aufgebaut, wenn das Bike gerade in der Kurve liegt. Auch abhebende Vorder- oder Hinterräder bei sehr starkem Beschleunigen oder Abbremsen werden erkannt, dann kann MSC blitzschnell durch einen gezielten Eingriff in die Bremsenansteuerung beziehungsweise das Motormanagement gegensteuern, indem die Kräfte flexibel ans Vorder- oder Hinterrad geleitet werden. Nach Auswertungen von Zahlen der deutschen Unfalldatenbank GIDAS (German In-Depth Accident Study, ein Gemeinschaftsprojekt der Bundesanstalt für Straßenwesen BASt und der Forschungsvereinigung Automobiltechnik) kann das Stabilitätssystem dazu beitragen, zwei Drittel aller von Motorradfahrern selbst verschuldeten Kurvenunfälle zu vermeiden.

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