Hinter der technologischen Evolution vom manuellen Fahren hin zum vollständig automatisierten Fahren verbirgt sich ein komplizierter und zeitaufwendiger, mit Innovationen auf vielen verschiedenen technischen Gebieten verbundener Prozess. Die Society of Automotive Engineers (SAE) unterteilt diesen Prozess in sechs Level. Level 0 beschreibt das klassische, konventionelle Fahren. Der Fahrer steuert das Fahrzeug, zusätzliche Systeme unterstützen die Informationsverarbeitung des Fahrers durch Orientierungshilfen (Navigationssystem mit Fahrtroutenanzeige) oder Warnungen (zum Beispiel Tot-Winkel-Assistent oder akustische Einparkhilfe). Level 1 beschreibt das assistierte Fahren, Assistenzsysteme übernehmen in bestimmten Situationen einzelne Komponenten der Fahraufgabe. Dazu gehören beispielsweise die Geschwindigkeitsregelung, der Abstandsregler oder auch die aktive Einparkhilfe, die wie ein digitaler Butler das vollständige Einparken in eine Parklücke ausführt. Beim teilautomatisierten Fahren auf Level 2 hält das Fahrzeug unter definierten Bedingungen die Spur und bremst oder beschleunigt selbstständig.
Das hochautomatisierte Fahren auf Level 3 ermächtigt den Fahrer, sich vorübergehend von der Fahraufgabe und dem Verkehr abzuwenden. Das Fahrzeug fährt in dem vom Hersteller definierten Anwendungsbereich selbstständig, wobei die Person am Steuer verpflichtet ist, auf Anforderung durch das System kurzfristig die Kontrolle zu übernehmen. Bereits auf dieser Stufe nimmt der Mensch auf dem Fahrersitz eine hybride Rolle ein, indem er zwischen der klassischen Fahrzeugführerfunktion und einem Fahrzeugnutzer während der Fahrt im automatisierten Modus wechselt. Ein aktuelles Beispiel für eine Automatisierung auf Level 3 ist das System Drive Pilot von Mercedes-Benz. Am 2. Dezember 2021 erfolgte durch das Kraftfahrt- Bundesamt die weltweit erste Typgenehmigung für dieses automatische Spurhaltesystem. Dessen Nutzung in der S-Klasse von Mercedes Benz ist derzeit noch auf autobahnähnliche Straßen bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h begrenzt und nur zulässig bei Tageslicht, guten Sichtverhältnissen und frostfreier Witterung. Die Person am Steuer muss jederzeit bereit sein, die Fahrzeugführung nach einer entsprechenden Übernahmeaufforderung wieder zu übernehmen.
Im nächsthöheren Level 4, dem vollautomatisierten Fahren, gibt der Mensch am Steuer die Fahrfunktionen vollständig an das Fahrzeug ab und wird dadurch zum Passagier. Das Fahrzeug bewältigt viele Strecken selbständig, und nach Abgabe der Kontrolle an das Fahrzeug darf sich auch der Fahrzeugführer vom Fahrgeschehen abwenden. Das System muss in der Lage sein, die Grenzen rechtzeitig zu erkennen, damit es selbstständig sowie regelkonform einen sicheren Zustand unter Ausschluss von Schadensereignissen erreichen kann, indem das Fahrzeug am Straßenrand oder auf einem Seitenstreifen geparkt wird. Insassen müssten für Verstöße oder Schäden im vollautomatisierten Modus eigentlich nicht mehr haftbar gemacht werden können. Die Führung eines Fahrzeugs auf Level 4 ist deutlich weiter gefasst als bei Level 3 und beinhaltet nur noch wenige, konkret definierte Ausschlusskriterien.
Auf dem höchsten Level, dem autonomen, also fahrerlosen Fahren (Level 5), ist jegliche Beschränkung aufgehoben. Es gibt nur noch Passagiere ohne jegliche Fahraufgaben, während in den Leveln 3 und 4 die Nutzer im Fahrzeug nur zeitweilig keine Fahraufgabe mehr haben. Auf Level 5 haben die Insassen nie eine Fahraufgabe, Fahrten ohne Insassen sind ebenfalls möglich, die Technik im Auto bewältigt sämtliche Verkehrssituationen in Eigenregie. Der Nutzer bestimmt den Zielort und kann sich dann „chauffieren“ lassen. Er wird zum reinen Passagier wie in der Bahn oder dem Flugzeug. Auf diesem Level ist die Person am Steuer vollumfänglich „out of the loop“ und nicht mehr Bestandteil des Mensch-Maschine-Regelkreises.