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Fahrassistenzsysteme an Pedelecs

Mai 2021

Fahrzeugtechnik

Senioren auf Fahrrad

Die Verkaufszahlen von Pedelecs steigen seit Jahren beständig an und scheinen sich auch durch die Corona-Krise nicht abgeschwächt zu haben – im Gegenteil. Ein Grund für diesen Erfolg ist auch, dass das Elektrofahrrad Bevölkerungsschichten allen Alters anspricht. Besonders ältere Fahrer profitieren von der intuitiven Handhabung, der hohen Durchschnittsgeschwindigkeit sowie dem einfachen Überwinden von Steigungen, wodurch der Aktionsradius der Nutzer einerseits deutlich erweitert wird und andererseits dabei trotzdem körperliche Bewegung in gesundem Maß erforderlich ist. Allerdings zeigt sich durch eine wachsende Anzahl an Pedelec- Unfällen mit Beteiligung älterer Fahrer, dass es für diese in Zukunft weiter wachsende Bevölkerungsschicht durchaus einen Bedarf an Fahrerassistenzsystemen gibt, um Unfälle entweder komplett zu verhindern oder mindestens deren Schwere zu minimieren.

Ein sehr vielversprechendes System ist dabei das von Bosch entwickelte Anti-Blockier-System. Dieses bereits im letzten DEKRA Verkehrssicherheitsreport ausgiebig beschriebene Assistenzsystem verhindert ein Überbremsen des Vorderrads. Der große Mehrwert besteht hier weniger im Erhalt der Lenkbarkeit während starker Bremsmanöver als vielmehr im Verhindern des Kontrollverlusts bei Blockieren des Vorderrads. Das System ermöglicht es den Pedelecfahrern so, einfach und sicher die Vorderradbremse mit maximal möglicher Verzögerung zu nutzen, ohne Gefahr zu laufen, dass das Vorderrad wegrutscht oder man über den Lenker abgeworfen wird.

Um weitere Potenziale zu erkennen, wurden sicherheitsorientierte Fahrerassistenzsysteme, die bereits in anderen Fahrzeugklassen ihre Wirksamkeit bewiesen haben, als Basis für das Forschungsprojekt SIFAFE (Sicherheitsorientierte Fahrerassistenzsysteme für Elektrofahrräder) herangezogen. Für den Einsatz in Elektrofahrrädern mussten diese Systeme hinsichtlich der Eignung evaluiert, adaptiert und weiterentwickelt werden. Dafür wurden sowohl fahrzeugtechnische Rahmenbedingungen (Verbaubarkeit, Energiebedarf, Robustheit, Kosten) als auch verkehrswissenschaftliche Aspekte (Wirksamkeit, Nutzerakzeptanz, Ablenkung bei der Bedienung) berücksichtigt. Ziele des Projekts waren die Potenzialanalyse, Konzeption sowie exemplarische Realisierung und Evaluation von sicherheitsorientierten Assistenzsystemen für Elektrofahrräder.

Im Hinblick auf die Sicherheit des Radverkehrs wurde im Rahmen des Projekts eine Pedelec-Unfall- und System-Wirkungs-Analyse durchgeführt. Leider weist diese in der Deutung der Ergebnisse und der resultierenden Aussage Schwächen auf. Die durchgeführte Analyse des Unfallgeschehens lässt aber die Aussage zu, dass die priorisierten Systeme ein hohes Potenzial haben, zahlreiche Unfälle zu vermeiden oder zumindest die Schwere der Folgen zu reduzieren. Dazu hat sich ein großes Marktpotenzial gezeigt: Eine Befragung von 300 Nutzern ergab, dass sich viele solche Assistenzsysteme wünschen. Auch hat sich gezeigt, dass Fahrerassistenzsysteme eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung erfahren. Dabei haben mehr als 80 Prozent der Befragten angegeben, dass sie Fahrerassistenzsystemen positiv gegenüberstehen, und 66 Prozent der Teilnehmer waren gewillt, bis zu 300 Euro zusätzlich für Assistenzsysteme am Elektrofahrrad auszugeben.

Im Praxisteil wurden sensorbasierte Systeme – unter anderem Spurverlassenswarnung und Frontkollisionswarnung – von zwei Dritteln der am Test teilnehmenden Fahrer als zuverlässig bewertet. Als Erkenntnis aus den Fahrtests, bei denen auch unterschiedliche Warnstrategien erprobt wurden, hat sich die haptische Warnung der Fahrer in Form von vibrierenden Griffen noch vor optischen/akustischen Warnungen als besonders intuitiv gezeigt. So vibriert bei Annäherung an den rechten Rand der Fahrspur der rechte Griff, bei Annäherung nach links der linke Griff und bei Frontkollisionswarnung beide Griffe gleichzeitig. Insgesamt zeigt die Studie, dass Fahrerassistenzsysteme auch bei Elektrofahrrädern zur Verbesserung der Sicherheit beitragen können und dass großer Forschungsbedarf besteht.

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